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Stiftsbasilika Aschaffenburg  > Basilika

Stiftsschatz

Die Aschaffenburger Stiftsbasilika beeindruckt mit sakraler Kunst

Die spätgotische Turmmonstranz aus dem 15. Jahrhundert gehört zu den bedeutendsten Stücken des Schatzes der Aschaffenburger Stiftskirche.
  Joachim Geburek zeigt die Kölner Arbeit, die Anteil daran hat, dass der Stiftsschatz die wertvollste Sammlung sakraler Goldschmiedekunst im Bistum Würzburg ist.
In der Sakristei der Basilika bergen zwei massive Schränke aus dem Jahr 1614 die wohl bedeutendste Sammlung von alten Goldschmiedarbeiten und liturgischen Gegenständen im Bistum Würzburg. Nur der Würzburger Domschatz, der beim Bombenangriff am 16. März 1945 zerstört wurde, enthielt Wertvolleres.

Herausragende Goldschmiedekunst
Eines der bedeutendsten Stücke der Aschaffenburger Sammlung ist die spätgotische Turmmonstranz. Sie wurde in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts vermutlich in Köln hergestellt. Mit viel Liebe zum Detail ist sie in Form eines gotischen Kirchturms aufgebaut, inklusive Figurenschmuck, spitzen Türmchen und dem verspielten Maßwerk.

Die Monstranz ist ein herausragendes Stück Goldschmiedekunst seiner Zeit. Und das nicht zuletzt wegen des vermeintlich gläsernen Zylinders, hinter dem sich die Halterung für das Allerheiligste verbirgt; denn dieser ist aus Bergkristall geschaffen.

Die einzige Kirche der Welt, die Alexander und Petrus als Patrone hat
Büste des Kirchenpatrons St. Alexander, des 4. Nachfolgers des Apostels Petrus als Bischof von Rom.
  Sie stammt aus der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts und lebt vom Wechselspiel zwischen den großen, blanken Rundungen im Gesicht und Schulter und den wohlorganisierten Ornamentzonen der Tiara und der Gewandborte.

Untrennbar mit der Stiftspfarrei verbunden sind die zwei aus vergoldetem Silberblech gearbeiteten Büsten der Heiligen Petrus und Alexander.

Die Büste des Alexander, fünfter Nachfolger Petri, stammt etwa aus der gleichen Zeit wie die Turmmonstranz. Unter der mit Edelsteinen reich verzierten, abnehmbaren Tiara ist ein Stück der Schädeldecke des Heiligen verborgen.

Die prunkvolle Büste des Kirchenpatrons zeigt ein lebhaft bewegtes bärtiges Haupt von großer Ausdruckskraft, umgeben von überquellend dichtem Laubwerk mit zahlreichen farigen Steinen.
  Auf der Rückseite befindet sich eine ausführliche Signatur des Frankfurter Goldschmieds Hans Dirnstein mit der Jahreszahl 1473. In ihrem Typus ist sie der (älteren) Büste des Heiligen Alexander angeglichen und als deren Pendent geschaffen.
Die Darstellung des Petrus zeigt ein bärtiges Haupt mit prägnanten Gesichtszügen. Auch hier sind Gewand und Tiara mit verschiedenen Edelsteinen reich verziert.

Der Frankfurter Goldschmied Hans Dirmstein hat dieses Reliquar 1473 angefertigt. Es ist das älteste erhaltene Stück sakraler Goldschmiedekunst, das nachweislich aus Frankfurt stammt.

Ebenfalls aus der Spätphase der Gotik um 1480 stammt das Kapitelkreuz des
Kapitelkreuz des Stiftes, um 1480.
  Die Balken sind aus in Silber montierten Bergkristallstücken zusammengesetzt.
Stiftes. Seine transparenten Balken sind aus Bergkristall und mit Silber zusammenmontiert.

Eine größere Zahl von liturgischen Gefäßen aus Messing und Kelche aus verschiedenen Epochen vervollständigen die Sammlung von Goldschmiedearbeiten.

Fast alle Teile des Stiftsschatzes noch im regelmäßigen Gebrauch
Das große Missale von 1533, eine Handschrift in Großfolio auf Pergament, enthält ganzseitige Miniaturen des Nürnbergers Nikolaus Glockendon.
  Es entschand im Auftrag des Kardinals Albrecht von Brandenburg für das neue Stift in Halle.
Ein paar Ausnahmen gibt es allerdings schon: Zum Beispiel die prächtigen, reich illustrierten Handschriften auf Pergament, die im Auftrag des Kardinals Albrecht von Brandenburg 1533 beziehungsweise 1534 für das Neue Stift Halle angefertigt wurden. Die Malereien des älteren Werkes, eines Missale, stammen vom Nürnberger Künstler Nikolaus Glockendon, das jüngere Buch, ein Passionale, birgt Bilder von einem Schüler Lukas Cranachs.

Optisch nicht unbedingt auffällig sind zwei herausragende Textilien des Stiftsschatzes: die so genannte Stola des heiligen Martin und die Stola des heiligen Aurelius, beide zwischen 700 und 800 Jahre alt.

Durch Zufall verschütteten Raum entdeckt
Mehr durch Zufall wiederentdeckt wurde der Raum, in dem heute die Paramente aus dem Barock und dem Rokoko lagern.

Der Sohn des Mesners fand eine zerstörte und verschüttete Treppe in der Kirche, als er von einer Leiter aus durch ein ihm unbekanntes Fenster einen Blick in die Stiftsbasilika werfen wollte. Offensichtlich hatte nach dem Krieg keiner daran gedacht, diese ebenfalls von der Bombe zerstörte Treppe zu restaurieren, ehe sie völlig in Vergessenheit geriet. Heute sind wieder Stufen eingezogen.

Das Schlüsselloch dieser schweren Eisentür aus der Renaissance lässt sich hinter einer klappbaren Rose verbergen.
Zugänglich ist die steile Sandsteinwendeltreppe kurioserweise nur durch einen Schrank, in dem Ministrantengewänder lagern. Eine schwere Eisentür aus der Renaissancezeit verschließt den Raum. Der aufwändige Schließmechanismus, die aufgesetzten Rosen aus Blech, von denen manche sich zur Seite klappen lassen und die Schlüssellöcher freigeben, regen zum Spekulieren an:
Vielleicht war hier einst der Schatz der Stiftskirche versteckt. Die Raumgröße lässt einen gewaltigen Umfang vermuten. Doch auch die verbliebenen Bestände sind in Art und Zahl mehr als beeindruckend.

 

Besichtigungen:
Kirchenführungen und Besichtigungen des Stiftsschatzes sind nach telefonischer Vereinbarung möglich.

 

Kontakt:
Über das Stiftspfarramt. Telefon: 0 60 21 / 2 24 20